2. Düngung von Obst
2.1 Obstarten
Analog zum Gemüseteil des Programms können Sie als erstes die Obstart, deren Düngerbedarf Sie berechnen wollen, mit den Pfeiltasten auswählen. Die folgenden Kulturen sind in OSGAR berücksichtigt worden:
Wenn Sie z.B. nicht zwischen Äpfeln und Birnen unterscheiden möchten, können Sie auch den Düngerbedarf für Kernobst allgemein berechnen lassen. In gleicher Weise können Sie auch bei Stein- und Beerenobst vorgehen.
Bei den Obstarten spielt die Frage eine Rolle, ob es sich um eine Neupflanzung oder um eine ältere Anlage handelt, so daß diese Frage ebenfalls beantwortet werden muß. Der Grund hierfür ist der unterschiedliche Nährstoffbedarf der Obstarten in Abhängigkeit vom Alter.
Bei Obstbäumen und -sträuchern im Jugendstadium ist es wichtig, ob die Pflanzen auf bewuchsfreiem Boden oder auf einer Rasenfläche stehen, da hierdurch der Stickstoffbedarf beeinflußt wird. Bei einer Pflanzung von Obst auf Rasenflächen ist der Stickstoffbedarf in den ersten Jahren deutlich erhöht und nimmt langsam im Laufe der Jahre ab, so daß erst etwa ab dem viertem Standjahr der gleiche Stickstoffbedarf wie bei einer Pflanzung im offenen Boden besteht. Daher wird bei den Baum- und Strauchobstarten nach dem Standjahr und der Art der Bodenpflege gefragt.
Als nächstes wird nach der Vorkultur gefragt. Dies ist nur im ersten Standjahr von Bedeutung. Dabei spielt es für den Düngerbedarf der Obstarten eine besondere Rolle, ob die Ernterückstände der Vorkultur in den Boden eingearbeitet wurden oder auf den Komposthaufen gebracht wurden, so daß Sie die Frage nach den Ernterückständen entsprechend mit "ja" oder "nein" beantworten müssen.
Alle anderen Eingaben - Bodenart, Flächengröße, Ergebnis der Bodenuntersuchung, evtl. Anwendung von ATS, Zeitpunkt, Menge und Art der organischen Düngung - können Sie wie bei den Gemüsekulturen beschrieben auswählen. Dabei können Sie teilweise die gleichen Daten verwenden, z.B. bei der Bodenart. Falls Sie jedoch für Ihre Obstkulturen eigene Angaben machen können, z.B. über Bodenuntersuchungsergebnisse, die speziell von der mit Obst bestandenen Fläche stammen oder über die organische Düngung, dann sollten Sie diese Werte eingeben.
Bei der Auswahl der Düngemittel sollte bei Heidelbeeren darauf geachtet werden, daß keine kalkhaltigen Dünger (Thomasphosphat, Kalkstickstoff, Kalksalpeter, Kalkammonsalpeter) verwendet werden. Vielmehr sollte man hier bodenversauernde Dünger (z.B. schwefelsaures Ammoniak als Stickstoffdünger) einsetzen, da Heidelbeeren auf hohe pH-Werte des Bodens empfindlich reagieren.
Eine verbesserte Nährstoffversorgung junger Obstbäume und -sträucher ist auch dadurch möglich, daß in den ersten Standjahren die vom Programm errechnete Düngermenge nicht auf die gesamte Obstfläche, sondern nur auf den durchwurzelten Bereich in der Nähe der Pflanzen (z.B. auf der Baumscheibe) ausgebracht wird.
Es sei noch darauf hingewiesen, daß der Nährstoffbedarf der Obstkulturen viel niedriger ist als der der meisten Gemüsekulturen. Vor allem nach einer organischen Düngung werden Sie bei der Düngerbedarfsberechnung feststellen, daß Sie meistens nur noch geringe Düngergaben ausbringen müssen oder ganz auf eine zusätzliche Düngung verzichten können.
Bei den unter 3. bis 7. aufgeführten Kulturen kann der Düngerbedarf nach dem gleichen Schema berechnet werden wie bei den Obstkulturen (s. 2.4). Es werden also die entsprechenden Werte für die Bodenart, Flächengröße, evtl. vorliegende Bodenuntersuchungsergebnisse sowie Art, Menge und Zeitpunkt der organischen Düngung eingegeben.
Die Frage nach der Vorkultur, die bei Gemüse und z.T. bei Obst so wichtig ist, entfällt, da sie bei diesen Kulturen keine Rolle spielt. Bei Rasen erübrigt sich außerdem die Frage nach der organischen Düngung.
Allgemein sei zum Düngerbedarf der verschiedenen Zierpflanzen noch gesagt, daß er (außer bei Intensivrasen) viel geringer ist als der der Gemüsekulturen. Sollten Sie Ihren Ziergarten mit Kompost oder Stallmist düngen, werden Sie feststellen, daß - ähnlich wie bei den Obstkulturen - nur noch geringe oder keine zusätzlichen Nährstoffgaben erforderlich sind.
3. Rasen
Beim Rasen werden drei Pflegeintensitätsstufen angegeben, die sich erheblich in ihrem Nährstoffbedarf unterscheiden. Die Intensitätsstufen "normal", "extensiv" und "intensiv" sind in der Hilfezeile am unteren Ende des Bildschirms näher erläutert, so daß Sie Ihre Rasenfläche leicht zuordnen können. Unter einer normalen Pflege würde man einen Gebrauchsrasen verstehen, der häufig gemäht wird, auf dem das Mähgut aber zum Teil liegen bleibt. Eine intensive Pflege entspricht dem sog. "englischen Rasen", wobei der Rasen bewässert, häufig geschnitten und das Mähgut immer entfernt wird. Die Blumenwiese wäre ein Beispiel für extensive Pflege: nicht bewässert, selten geschnitten (1-2mal pro Jahr), Mähgut bleibt immer liegen.
Neuere Untersuchungen belegen, daß die Kaliumgehalte des Bodens bei normaler und intensiver Rasenpflege ohne ausreichende Düngung absinken. Dies wird vom Programm durch den Vorschlag der Gehaltsklasse A (unter 5 mg K2O für leichte Böden; unter 9 mg K2O für mittlere und schwere Böden) bei intensiver Pflege und der Gehaltsklasse B (5 - 8 mg K2O für leichte Böden; 9 - 15 mg K2O für mittlere und schwere Böden) bei normaler Pflege berücksichtigt (auch wenn Sie bei vorhergehenden Berechnungen eigene Angaben über eine Bodenuntersuchung gemacht haben!).
Zur Düngerauswahl bei Rasen sei noch angemerkt, daß sich hier langsam wirkende Dünger bewährt haben. Einige dieser Dünger sind in der Liste der berücksichtigten Düngemittel aufgeführt (s. a. 1.10.2.3).
4. Gehölze/Stauden
Hier wird zwischen Beeten, die hauptsächlich mit Stauden bepflanzt sind ("klassische Staudenrabatte") und Pflanzungen unterschieden, in denen Gehölze dominieren. Diese Aufteilung ist durch die unterschiedlichen Nährstoffansprüche begründet.
5. Blumenbeete
Bei den Blumenbeeten kann der Düngerbedarf für Frühjahrsblüher (z.B. Stiefmütterchen, Bellis und Vergißmeinnicht) und Sommerblumen (z.B. Tagetes, Begonien, Astern) berechnet werden.
6. Rosen
Rosen werden vom Programm wie Gehölz- bzw. Staudenrabatten behandelt, wobei allerdings ein höherer Nährstoffanspruch zugrundegelegt wird.
7. Rhododendron
Rhododendron wird vom Programm wie Rosen und Ziergehölze behandelt. Bei der Auswahl der Düngemittel sollte hier allerdings darauf geachtet werden, daß keine kalkhaltigen (Thomasphosphat, Kalkstickstoff, Kalksalpeter, Kalkammonsalpeter) Dünger verwendet werden. Vielmehr sollten hier bodenversauernde Dünger (z.B. unter den Stickstoffdüngern schwefelsaures Ammoniak) verwendet werden, da Rhododendron auf hohe pH-Werte im Boden empfindlich reagiert.
8. Kalkdüngung
Bei der Kalkung der Böden handelt es sich um einen Sonderfall, da die Kalkdüngüng nicht von den angebauten Kulturen (von wenigen Ausnahmen wie Heidelbeeren oder Rhododendron abgesehen), sondern von den Bodenverhältnissen, d.h. von der Bodenart und dem pH-Wert abhängt. Der pH-Wert ist ein Maß für den Säuregrad des Bodens: pH-Werte um 7 werden als neutral, unter 7 als sauer bezeichnet, wobei der Säuregrad mit abnehmendem pH-Wert zunimmt. Böden mit pH-Werten über 7 sind alkalisch oder basisch. Sowohl zu niedrige als auch zu hohe pH-Werte können sich ungünstig auf das Wachstum auswirken.
Bei zu niedrigem pH-Wert wird das Wachstum der Pflanze mehr oder weniger gehemmt, wobei als Hauptursache toxisch (giftig) wirkendes Aluminium bekannt ist, das bei niedrigen pH-Werten (unter 4,5 - 5) in Lösung geht. Außerdem wird in sauren Böden die Tätigkeit der Mikroorganismen und Regenwürmer gehemmt, so daß sich die Bodenstruktur verschlechtert. Die Böden neigen dann zur Verschlämmung und Verkrustung, was besonders bei tonreichen, schweren Böden sehr nachteilig ist.
Der Hauptnachteil zu hoher pH-Werte ist die verminderte Verfügbarkeit mancher Spurenelemente im Boden (Mangan, Eisen und Bor), so daß bei Überkalkung oft Spurennährstoffmangel auftritt. Dieses Risiko besteht besonders bei leichten, sandigen Böden. In Tabelle 8 sind die anzustrebenden pH-Werte in Gartenböden zusammengestellt.
Tab.8: Anzustrebende pH-Werte von Gartenböden
| Bodenart | Sand | lehmiger Sand | sandiger Lehm | Lehm, Ton |
| pH-Wert | 5,5 | 6,0 | 6,5 | 7,0 |
Wegen der großen Bedeutung des richtigen pH-Wertes für das Wachstum und die Wirkung der sonstigen Düngungsmaßnahmen sollte die Kalkung eigentlich nur nach einer Bodenuntersuchung erfolgen. Da diese aber in Gärten erfahrungsgemäß nur selten erfolgt, werden für die Kalkung in diesem Programm unterschiedliche Empfehlungen gegeben:
Tab.9: Richtwerte für die Aufkalkung saurer Böden (in g/qm)
| leichte Böden | mittlere Böden | schwere Böden | ||||
| pH-Wert des Bodens | kohlensaurer Kalk | Branntkalk | kohlensaurer Kalk | Branntkalk* | kohlensaurer Kalk | Branntkalk* |
| unter 4,3 | 100 - 200 | - | 360 - 720 | 200 - 400 | 720 - 1440 | 400 - 800 |
| 4,3 - 4,7 | 100 | - | 360 - 540 | 200 - 300 | 720 - 1260 | 400 - 700 |
| 4,8 - 5,2 | 60 | - | 270 - 360 | 150 - 200 | 540 - 900 | 300 - 500 |
| 5,3 -5,7 | 0 | - | 180 - 270 | 100 - 150 | 450 - 540 | 250 - 300 |
| 5,8 - 6,2 | 0 | - | 90 | 50 | 180 | 100 |
| 6,3 -6,7 | 0 | - | 0 | 0 | 90 | 50 |
| über 6,7 | 0 | - | 0 | 0 | 0 | 0 |
9. Düngung mit Spurenelementen
Spurenelemente sollten grundsätzlich nicht vorbeugend gedüngt werden, sondern nur, wenn der Mangel durch das Auftreten von Mangelsymptomen oder durch eine Boden- und Pflanzenanalyse wirklich nachgewiesen ist. Vor allem bei Bor besteht durch Überdüngung eine erhebliches Risiko, daß Pflanzenschäden auftreten. Auch in Zusammenhang mit der allgemeinen Schwermetallbelastung ist die prophylaktische Zufuhr von Spurenelementen unerwünscht. Da es sich bei der Düngung mit Spurenelementen um ein sehr spezielles Problem handelt, sei auf die Beratungsmöglichkeiten durch die Bodenuntersuchungsinstitute verwiesen.
Die vorliegende Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Autoren reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Auch die Rechte der Wiedergabe durch Vortrag, Funk und Fernsehen sind vorbehalten.
© 1992-2003 Dr. Dieter Alt <dr-dieter-alt@t-online.de>, Dipl.-Ing. Jan Rimmek <jan.rimmek@mhinac.de>