weitere Bilder von Teebäumen aus den Gattungen Melauleuca und Leptospermum ...
In der letzten Zeit wird in vielen Publikation und Zeitschriften über das australische Teebaumöl berichtet. Es gibt inzwischen zahlreiche Bücher, in denen man die hervorragende Wirkung und Anwendung mehr oder weniger ausführlich nachlesen kann. Sehr empfehlenswert ist z.B. "Das Teebaumöl Praxisbuch" von Carl-Michael Diedrich, erschienen im Scherz Verlag.
Es gibt mehrere Arten von Teebäumen. Da der englische Name "Tea Tree" nicht nur für eine einzige Baumart steht, muß noch differenziert werden, um welchen Baum es sich handelt. Das Öl mit der größten Wirksamkeit erhält man von Melaleuca alternifolia. Es werden aber auch Teebaumöle von anderen botanischen Arten angeboten, daher reicht nur die Deklaration als "Teebaumöl" nicht aus. Aber auch bei Melaleuca alternifolia gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede.
Melaleuca alternifolia ist im Gebiet des Richmond River und des
Clarence River in Südwestaustralien beheimatet. Dieses Gebiet
wird auch als Bungawalbyn Valley bezeichnet und ist ca. 300 qkm
groß. Das Gebiet ist recht flach und im Osten von Bergketten
gesäumt. Hier herrschen extreme klimatische Verhältnisse,
die dem Teebaum eine hohe Widerstandskraft abverlangen. Im Winter
liegt die Durchschnittstemperatur bei 12° Celsius bei einer
hohen Luftfeuchte. Im Sommer wechseln sich plötzliche Regenfälle,
die mehrere Tage anhalten können, mit langen Dürreperioden
ab. Die Temperatur erreicht dann leicht 40° Celsius. In den
Trockenzeiten ist die Luftfeuchtigkeit sehr gering, die aber während
der Niederschläge abrupt ansteigt. Da dieses Gebiet durch
seine klimatischen Bedingungen häufig sumpfig ist und anschließend
über einen längeren Zeitraum wieder trocken fällt,
hat der Teebaum sich mit einem komplexen Abwehrmechanismus ausgerüstet.
Er muß sich gegen Viren, Bakterien, Pilze und Insekten wehren.
Das ätherische Öl enthält bis zu 120 verschiedene
Inhaltsstoffe, von denen man nach der Destillation noch ca. 80
wiederfinden kann.
Wissenschaftlich wurde das Teebaumöl von Melaleuca alternifolia zum erstenmal von Dr. William Penfold in den dreißiger Jahren untersucht. Er fand heraus, daß es sich um ein sehr starkes natürliches Antiseptikum handelt und daß es bei der Bekämpfung einiger Pilze am und im Körper eine sehr hohe Wirksamkeit hat. Die desinfizierenden Eigenschaften interessierten Dr. Penfold am meisten. In der Folge fehlte Teebaumöl in den nächsten 20 Jahren in keiner australischen Hausapotheke. Penicillin und andere Antibiotika verdrängten das Öl aber nach und nach wieder.
In den siebziger Jahren schenkte man dem Öl in Australien wieder mehr Beachtung. Bis dahin hatte man Teebaumöl nur aus Wildbeständen gewonnen. Es gab keine Plantagen im herkömmlichen Sinn und Versuche, den Baum zu kultivieren, waren nicht sehr erfolgreich verlaufen. Andererseits wächst der Teebaum wie Unkraut, und man ging dazu über, "wildartige" Plantagen anzulegen. Diese waren aber noch relativ klein und wurden nur von wenigen Farmern angelegt.
Der Bedarf an Teebaumöl stieg im Laufe der Zeit weiter an, und so sahen auch andere Farmer im Anbau des Teebaums ein lukratives Geschäft. Sumpfgebiete wurden zum Teil trockengelegt, damit die Flächen mit Maschinen befahren werden konnten. Daneben wurde mit einem hohen Aufwand an Düngern und Pflanzenschutzmitteln gearbeitet, denn in Monokultur verhielt sich der Baum anders als in seiner natürlichen Umgebung. Einige Farmer empfanden dieses als Raubbau an der Natur und begannen, natürliche Dünger (Schafmist und Kuhdung) als auch natürliche Pestizide wie zum Beispiel Geranienöl einzusetzen. Dadurch stiegen der Arbeitsaufwand und die Kosten. Aber der größere Aufwand lohnte sich, da Produkte aus biologisch kontrolliertem Anbau auf dem Weltmarkt, insbesondere aber in Europa und den USA, einen sehr viel höheren Preis erzielten. Diese Farmer schlossen sich in der Folge dem australischen Anbauverband "Biological Farmers of Australia" an. Dieser Verband prüft und zertifiziert heute die Ware, wenn sie kontrolliert biologisch angebaut wird.
Inzwischen ist die Teebaumölproduktion zu einem riesigen Industriezweig geworden. Zur Zeit werden in Australien jährlich ca. 900 t Teebaumöl hergestellt. Davon stammen allerdings nur ca. 10 - 12 t aus kontrolliert biologischem Anbau. Investoren und Management interessiert der Profit bzw. Ertrag leider mehr als umweltschonende Anbauverfahren. Dies hatte (und hat) dementsprechende ökologische Auswirkungen. Der Wasserspiegel ist in einigen Teilen des Bungawalby Valley bis um zwei Meter gesunken, die Teebäume sind anfälliger geworden und werden, um den Gewinn zu maximieren, zweimal im Jahr geerntet.
Ernte:
Der Teebaum wird mehrjährig kultiviert. Bei der Ernte
von Wildbeständen werden die Äste von den Bäumen
geschlagen und wachsen wieder nach. Im Plantagenanbau wird der
gesamte Bestand ca. 12 cm über dem Erdboden "abrasiert",
aber auch diese Pflanzen wachsen wieder nach. Knapp über
der Wurzel geschnitten, erreicht der Teebaum innerhalb von 1 Jahr
wieder eine Höhe von ca. 2 Metern. Dabei wurde aber festgestellt,
das der Teebaum bei zweimaliger Ernte im Jahr nicht mehr genug
Zeit zum Regenerieren hat. Dieses hat zur Folge, daß die
Blätter ihre Öldrüsen nicht mehr ausreichend entwickeln
können und das Öl "unreif" ist.
Destillation:
Teebaumöl wird ausschließlich durch Wasserdampfdestillation
gewonnen. Die Blätter, Äste und Zweige kommen in große
Tanks. Am Boden dieser Tanks befindet sich Wasser, welches unter
Hitze und Druck verdampft und die ätherischen Öle aus
dem Erntegut löst. Nach dem Abkühlen schwimmt das Öl
auf der Wasseroberfläche und kann abgeschöpft und gefiltert
werden. Eine Tonne Blätter ergeben ca. 10 l Teebaumöl.
Es muß mit relativ niedrigen Temperaturen gearbeitet werden,
um nicht unerwünschte Bestandteile aus den holzigen Ästen
und Zweigen zu lösen. Mit einer schonenden, also niedrigen
Brennführung und einem entsprechenden Rohmaterial (älter
als 12 Monate) wird ein Öl mit sehr hoher Qualität gewonnen.
Die Ausbeute ist bei diesem Verfahren dementsprechend niedriger.
Hieraus erklären sich die zum Teil erheblichen Preisunterschiede
von Teebaumöl.
Inhaltsstoffe:
Teebaumöl wird meist anhand der Gehalte von Cineol und
Terpinol 4 bewertet. Die australische Norm für Teebaumöl
schreibt einen Cineol-Gehalt von unter 15 % und einen Terpinol
4-Gehalt von über 30 % vor. Diese Qualitäten werden
auch als "AS" (Australien Standard) bezeichnet. Da aber
festgestellt wurde, daß diese Werte für Spitzenqualitäten,
wie sie insbesondere für die kosmetische und medizinische
Verarbeitung gefordert werden, nicht ausreichen, hat die ATTIA
(Australian Tee Tree Industrie Association) diese Gehalte weiter
spezifiziert. Demnach sollte ein qualitativ hochwertiges Teebaumöl
einen Cineol-Gehalt von unter 4 % und einen Terpinol 4-Gehalt
von über 35 % besitzen. Diese Gehalte werden bei den meisten
in den letzten Jahren nach Europa importierten Ölen erreicht.
In neuerer Zeit sind allerdings auch Öle am Markt, die einen
Cineol-Gehalt von unter 2 % und einen Terpinol 4-Gehalt von über
40 % aufweisen. Diese Gehalte bedeuten aber nicht zwangsläufig
eine bessere Qualität, da sie durch eine mehrmalige Ernte
pro Jahr und höhere Destillationstemperaturen erreicht werden.
Ferner bewirken diese Faktoren auch eine Veränderung der
Zusammensetzung des Teebaumöls, was mit einer Minderung der
Wirksamkeit einhergeht. Ein Cineol-Gehalt unter 2 % bedeutet in
der Regel eine Ernte von sehr jungen Blättern, deren Öldrüsen
noch nicht entwickelt sind, während ein Terpinol 4-Gehalt
von über 40 % auf eine höhere Brenntemperatur hinweist.
Diese Werte können also nicht als alleiniger Maßstab
für ein gutes Teebaumöl benutzt werden.
Einkaufstips:
Verwendung:
Teebaumöl ist kein Allheil- oder Wundermittel. Es besitzt
einige Eigenschaften, die den Körper bei seinem Selbstheilungsprozeß
positiv unterstützen, aber die Ursachen einer Erkrankung
kann es nicht bekäpfen. Bei ernsthaften Erkrankungen sollten
Sie auf jeden Fall einen Arzt zu Rate ziehen. Teebaumöl kann durch seine
antimykotische Wirkung bei Pilzerkrankungen und Hautunreinheiten erfolgreich
angewendet werden. Weiterhin wirkt es leicht schmerzstillend und vermindert den
Juckreiz. Es hilft in der Zahnmedizin und hemmt die Entwicklung von eiterauslösenden
Bakterien. Während kleine Hautpartien pur behandelt werden,
kommen auch Verdünnung wie z.B. Mundspülungen oder Sitzbäder
zum Einsatz. Bei Erkältungen, Sonenbrand, Schnitt- und Kratzverletzungen
kann Teebaumöl eine große Hilfe darstellen. Sehr erfolgreich
wird Teebaumöl auch in der Tiermedizin eingesetzt.
Zur inneren Anwendung von Teebaumöl ein sehr kritisches Zitat von C.-M. Diedrich: "Ein Fernsehjournalist sagte in seiner Sendung, daß das Öl auch innerlich angewendet werden kann. Richtig ist, daß Teebaumöl in kleinen Dosierungen bei einem gesunden Menschen nicht schädlich ist. Wie bei allen ätherischen Ölen sollte man hier sehr vorsichtig vorgehen und sich gegebenfalls mit seinem Arzt oder Heilpraktiker absprechen. Teebaumöl findet man nach der Einnahme innerhalb kürzester Zeit in einigen Organen wie Leber und Niere wieder. Sind Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Herz gesund, werden voraussichtlich keine Nebeneffekte auftreten. Es gibt Berichte von Ärzten, die im Selbsttest Teebaumöl in hohen Dosierungen - bis zu 25 Tropfen am Tag - über einen längeren Zeitraum eingenommen haben und keine Nebenwirkungen festgestellt haben. Für den Laien sind solche Versuche meiner Meinung nach unverantwortlich."